Abstract Schneider/Zilker (39/2015)

Das im 4. Jahrhundert von Augustinus von Hippo geprägte Genre des Buchdialogs scheint auf den ersten Blick ohne direkte literarische Vorbilder zu sein. Dieser Artikel legt dar, dass sich bestimmte Elemente des Buchdialogs (Vorspiegeln von Mündlichkeit, Adressierung eines kommentierten Autors in der zweiten Person) als Randphänomene bereits in anderen literarischen Gattungen wie den Reden Ciceros oder in antiker, v.a. platonischer Kommentarliteratur finden lassen. Wie ein Blick auf Plutarchs theoretischen Essay De audiendis poetis zeigt, könnte Augustinus die Grundidee, den Text eines anderen Autors gerade in polemischem Kontext als gleichwertigen Dialogpartner zu betrachten, bereits in Unterrichtssituationen der platonischen Schule kennengelernt haben.