Abstract Dietz (39/2015)

Dieser Beitrag ist eine Interpretation von Conrad Celtis’ Ode 3,6, zunächst nach Überlieferung und Form. Untersucht wird, wie der deutsche ‚Erzhumanist‘ nach dem Vorbild einer Ode des Horaz seine Hoffnung auf weltweiten Nachruhm in einer Flugvision darstellt: Nach seinem Tod wird er noch weiter reisen als in seinem Leben und eine Vielzahl ferner Völker sehen, deren Namen überwiegend antiken und zeitgenössischen Schriften entnommen sind (einige der Namen werden näher untersucht). Militärisch hatten die Germanen in der Vergangenheit die Römer überwunden, doch Celtis wollte im Deutschland seiner Zeit vor allem ein kulturelles Aufholen gegenüber Italien initiieren. Mit der Ode 3,6 schließlich setzte der Dichter seinen entscheidenden Beiträgen dazu und seinem mehr als tausend Jahre alten Lebensideal in einer noch älteren Sprache ein weltweit lesbares, unvergängliches Denkmal.